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Presseinformation 2007-04
Katastrophenalarm im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Bayerisches Roten Kreuz an mehreren Einsatzstellen im Einsatz
Landkreis Erlangen-Höchstadt, 21. bis 23. 07.2007. Durch starke Regenfälle kam es in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2007 zu mehreren Einsatzstellen im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Im Laufe der Nacht wurde um 1:41 Uhr durch Landrat Eberhard Irlinger der Katastrophenfall erklärt und Katastrophenalarm ausgelöst, der bis zum 23. Juli 2007, 19:50 Uhr, aufrechterhalten wurde.Mehrere hundert Personen mussten durch die Hilfsorganisationen betreut werden. Auf der A 73 mussten Menschen mithilfe von Booten aus Fahrzeugen befreit werden, in Baiersdorf drohte ein Zug mit mehreren Duzend Personen umzustürzen, nachdem die Wassermassen von beiden Seiten auf die Waggons prallten.Ortschaften waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Rettungskräfte hatten teilweise starke Probleme, zu den Einsatzstellen vordringen zu können, da viele Zufahrtsstraßen und Unterführungen überflutet waren.Das Rote Kreuz war mit insgesamt 101 Helfern über einen Zeitraum von 33 Stunden im Einsatz. Dabei wurden 36 Fahrzeuge eingesetzt. Der überwiegende Teil der eingesetzten Kräfte waren ehrenamtliche Helfer aus den Bereitschaften in Erlangen, Adelsdorf, Höchstadt und Herzogenaurach sowie der Wasserwacht und Bergwacht. Im Einzelnen waren Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2007 an folgenden Einsatzstellen im Einsatz:
- 1. Lage: Adlitz/MarloffsteinIn Adlitz droht ein Haus einzustürzen, das durch abfließendes Wasser unterspült worden war. Gleichzeitig laufen in Marloffstein mehrere Keller voll Wasser, mehrere Personen erleiden Nervenzusammenbrüche.Die Zufahrtstraßen nach Marloffstein sind nahezu alle überflutet, es bleibt den Rettungskräften nur noch eine Möglichkeit, in die Ortschaft vorzudringen. Mehrere Personenfahrzeuge werden durch die Wassermassen umschlossen, die Insassen können sich selbst retten oder müssen durch die Feuerwehr befreit werden. Zunächst alarmierte Einsatzkräfte: Sanitätseinsatzleitung (SanEL) mit Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL), Wasserrettung BRK Wasserwacht und DLRG, Schnelleinsatzgruppen (SEG) des BRK Erlangen-Stadt und des Arbeiter-Samariter-Bundes Erlangen-Stadt Auf dem Hof der Feuerwehr Marloffstein wird die Einsatzleitung eingerichtet. Alle eingesetzten Kräfte funken auf einem speziellen Katastrophenschutzkanal, damit die parallel laufenden Rettungsdiensteinsätze in der Stadt Erlangen bzw. im Landkreis Erlangen-Höchstadt durch die Kommunikation der vielen Einsatzkräfte nicht behindert werden.Auch die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk richten auf dem Hof der Feuerwehr ihre Einsatzleitungen ein.Zunächst wird eine Kräftesammelstelle auf dem Parkplatz neben dem Wasserturm in Marloffstein eingerichtet. Von hier aus rücken die einzelnen Fahrzeuge auf Anweisung der Einsatzleitung zu ihren Einsätzen aus.
- 2. Lage: SpardorfIn Spardorf sollen mehrere Personen in einem überfluteten Keller eingeschlossen sein. Auch hier gestaltet sich die Anfahrt schwierig, da die Zufahrtsstraße aus Marloffstein nach Spardorf überflutet ist. Eintreffende Rettungskräfte aus Richtung Erlangen können schnell Entwarnung geben, die Eingeschlossenen konnten sich selbstständig in den ersten Stock flüchten.
- 3. Lage: A 73, zwischen Anschlussstelle Möhrendorf und Baiersdorf-NordDie Wasserwelle erreicht die Bundesautobahn 73, nach ersten Meldungen sollen 300 bis 400 Personen auf Autodächern in den abfließenden Wassermassen sitzen. Auch ein Bus ist betroffen. Diese Einsatzstelle wird das Haupteinsatzfeld für die Kräfte des BRK.Die Schnelleinsatzgruppe Erlangen-Stadt des BRK richtet auf der Autobahn mithilfe von zwei Zelten einen provisorischen Aufenthaltsbereich für die Fahrzeuginsassen ein. Diese werden mithilfe von Booten durch die Wasserrettung von BRK-Wasserwacht und DLRG sowie der Feuerwehr und des THW aus ihrer Lage befreit. Unter den Personen befinden sich auch ältere Menschen, Kinder und schwangere Frauen. Einige Eingeschlossene leiden an Unterkühlung.Die über 200 Geretteten werden zunächst durch die BRK SEG Erlangen-Stadt registriert und anschließend im Pendelverkehr mit Fahrzeugen von der Autobahn in eine Notunterkunft in Bubenreuth gebracht, wo sie von Kräften des Arbeiter-Samariter-Bundes betreut werden. Gegen 6:30 Uhr des Sonntagmorgen sind alle Eingeschlossenen gerettet und der Einsatz auf der Autobahn beendet. Nachalarmierte Kräfte: SEG des BRK Höchstadt, SEG des BRK Herzogenaurach, BRK Bereitschaft Adelsdorf, BRK Bereitschaft Erlangen 2, BRK Bereitschaft Erlangen 4, Wasserrettung Mittelfranken (inkl. Kräfte aus Ansbach und Pleinfeld), Berufsfeuerwehr Nürnberg, Berufsfeuerwehr Fürth
- 4. Lage: Baiersdorf/BubenreuthEs werden zwei Betreuungsstellen in Baiersdorf und Bubenreuth eingerichtet, um evakuierte Personen betreuen zu können. In den Notunterkunftsstellen werden etwa 300 Personen durch Hilfskräfte betreut.
- 5. Lage: Bahnhof BaiersdorfAm Bahnhof in Baiersdorf sind 35 Personen in einem Zug eingeschlossen, der die Weiterfahrt aufgrund unterspülter Bahngleise nicht fortsetzen kann. Im Verlauf wird gemeldet, der Zug drohe umzustürzen, da die Wassermassen von beiden Seiten auf die Waggons eindrücken.Auch hier gestaltete sich die Anfahrt schwierig, mehrere Zufahrtsstraßen nach Baiersdorf waren überspült und daher unpassierbar. Zunächst hatten Einsatzkräfte des BRK versucht, aus Marloffstein über Bräuningshof nach Baiersdorf vorzudringen. Da die Verbindungsstraße jedoch nicht mehr befahrbar war, konnten sie nicht zu den Eingeschlossenen gelangen. Schließlich konnten Kräfte des Technischen Hilfswerks den Bahnhof erreichen und die Fahrgäste befreien.
- 6. Lage: Aufgeschwemmter Flüssiggastank in IgelsdorfEin aufgeschwemmter Flüssiggastank droht sich in Igelsdorf loszureißen. Es herrscht Explosionsgefahr. Teile der Ortschaft müssen evakuiert werden. Anfängliche Befürchtungen, ganz Igelsdorf müsse geräumt werden, bestätigten sich nicht.
In den folgenden Tagen wurde bis Montag, 23.07.2007, 12 Uhr, eine Feldküche in Baiersdorf betrieben. Von hier aus erfolgte die Versorgung von Helfern aller Fachdienste im Schadensgebiet. Besonders hervorzuheben ist die sehr gute Zusammenarbeit aller Einsatzkräfte auch über die Organisationsgrenzen hinweg.
800 Wörter; 6.132 Zeichen inkl. Leerzeichen
VerfasserDaniel Salleckpresse@b1-erlangen.de
Freigegeben und weitere InformationenThomas HeideloffRettungsdienst-Leitungheideloff@kverlangen-hoechstadt.brk.de
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